Himmelfahrtskommando 2006:

Klettersteig-Bergtour zur Coburger Hütte bei
 Ehrwald im Miemiger Gebirge
und
Besteigung des Hinteren Tajakopfes


Tagesziel ist der Winterraum der Coburger Hütte. D.h. Selbstversorgung. Weiterhin mit im Gepäck sind Klettersteigset und Seil. Seil deshalb, weil der Abstieg in über 2000m Höhe durch leichtes Klettergelände beschrieben ist und ein Anruf beim Hüttenwirt ergab, dass ab ca. 1500m noch eine geschlossene Schneedecke  sein soll. Entsprechend schwer sind also unsere Rucksäcke (21kg) ...

 

Donnerstag (Himmelfahrt), 6 Uhr:

Traditionsgemäß treffen wir uns am P&R Parkplatz Esslingen.  2 1/2 Stunden später sind wir bereits am Parkplatz der Ehrwalder Almbahn. Eine weitere Stunde später haben wir einen Spazierweg entlang der romantischen Leutaschen Ache hinter uns. Und den Seebener Klettersteig direkt vor uns. Bisher sind die schweren Rucksäcke kein Problem. Das ändert sich nun schlagartig. Der Klettersteig ist zwar als schwierig (mit vielen Ausrufezeichen) klassifiziert, aber was kann das uns, als alte Kletterer schon anhaben. Im Gegenteil, hört sich eher nach einer interessanten Kletterpartie an ...

Okay, das junge Paar vor uns am KS-Einstieg scheint kapituliert zu haben. 'Ist recht, dann können die uns schon nicht mehr ausbremsen', denke ich so bei mir, während ich mich wundere, dass Dana beim ersten Versuch loszuklettern umkehrt und erst einmal ihre Kletterhandschuhe auszieht. Der Einstieg ist üblicherweise bewusst schwer gemacht, damit gleich klar ist, was auf einen zukommt. Beim nächsten Versuch schafft es Dana und auch John (beide nicht ohne Abgabe von Hochachtung  zeugenden Geräuschen und Wortfetzen ;-) ). Als ich an der Reihe bin wird mir sofort klar warum: Es gibt keine Griffe, von Tritten ganz zu schweigen. Die ersten 5m müssen wir uns senkrecht am Drahtseil hochhangeln. Wie gesagt, das ganze mit den schweren Rucksäcken. Kaum vorzustellen, wenn wir auch noch die Schneeschuhe mitgenommen hätten... Ich erwische mich schon bei dem Gedanken, den Rucksack unten zu lassen und per Seil hochzuziehen ... Aber was das Madl vor mir schafft, das müsste ich doch wohl auch schaffen. Und tatsächlich, irgendwie geht es tatsächlich :-)




Nun wird der 'Weg' etwas weniger schwer aber es bleibt anspruchsvoll!  ... Die letzten 15 hm gehen noch einmal richtig zur Sache. Die Arme sind wie aufgepumpt, ich nutze jede Gelegenheit um mich an den Drahtseilfixierungen mit meiner Selbstsicherung auszuruhen. Am Ende des KS nach ca. 200 hm bin ich fix und fertig. John geht's ebenso. Dana rastet schon eine Weile und ist auch ganz begeistert, nur scheint sie nicht ganz so ausgepowert zu sein. Unbegreiflich!!!

 


Aber nun ist es 'nur' noch eine kleine, undramatische Wanderung. Vorbei an dem wunderschönen Seebensee und wenige Hundert Höhenmeter hinauf, schneestapfend zur Coburger Hütte. Von hier sehen wir den noch zugefrorenen Drachensee, den wir am Nachmittag noch umrunden. Der Winterraum ist zweckmäßig aber nicht sehr gemütlich. Nach anfänglichen Schwierigkeiten mit dem Holzofen brennen auch die Holzbriketts. Abends gibt es 'ne Menge Frikadellen (Dank an Tina!), leckeren Dessert und Rotwein. Die Schlepperei hat sich gelohnt :-)  Wie üblich wird der Rest des Abends Skat geklopft. Außer uns dreien übernachten noch zwei Holländer.


Freitag, halb acht:
Der Holländer macht den Ofen an. Irgendwann gibt's Frühstück und warmen Tee. (Die Holländer schmelzen den ollen Schnee, wir bevorzugen es, für frisches Wasser 5 Minuten zu Fuß zur Quelle zu laufen).  Das Wetter ist bedeckt und so auch unsere Stimmung. Trotzdem rüsten wir uns zum großartigen Taya-Klettersteig, den wir mit dem Fernglas von der Hütte aus sehen können. Um 9:30 Uhr sind wir am Einstieg des 'schönsten und anspruchvollsten KS der nördl. Kalkalpen'.  Dieser KS macht richtig Laune. Perfekt gesichert geht es dem Grad entlang steil, aber nur an wenigen Stellen senkrecht aufwärts. Einmalig ist die Aussicht auf den Seebensee. 


     

Wir schaffen ca. 100 von 600 hm, als es leicht zu nieseln anfängt. Bei Regen auf nassem Felsen, später ungesicherter Abstieg ... keine erquickenden Aussichten. Einstimmig beschließen wir umzukehren.  Um 12 Uhr sind wir wieder an der Hütte.
Nach einem kleinen Imbiss gehen John und ich (Dana hat Magenprobleme) nochmals los: Angriff auf den 'Hinteren Tajakopf' - lange Zeit durchs Schneefeld hinauf bis zur Scharte. Nun wird's etwas kniffelig: Über bröseliges Gestein, die veralteten Wegmarkierungen sind kaum zu finden, sind wir nach 1 1/2 Std Aufstieg auf dem Gipfel 2426m. Wir sehen wo wir beim KS am 'Vorderen Tajakopf' ausgekommen wären - sollte vermutlich problemlos ohne Seilsicherung gehen. Unser Abstieg ist nun wesentlich schneller und macht mehr Spaß: Schneefeldabgleiten :-)



Abends: Unmengen von Nudeln, garniert mit einer Dose Tunfisch, Dessert und - Rotwein :-) Der Rest des Abends verläuft wie üblich ...

Samstag:
Alle Gipfel in Wolken, es ist nebelig und es regnet. Für uns ist es umso klarer: Abstieg. Wir machen noch einen kleinen Abstecher an den Igelsee. Erinnert mich irgendwie an Südskandinavien. Besonders die vielen Mücken ... Am nächst besten Gasthof muß John - traditionsgemäß - seine Spielschulden in Form von Radler einlösen :-)
Um 18 Uhr sind wir daheim.

Schlusswort:
Es war richtig bei Altschneeresten keine Schneeschuhe mitzunehmen
und
den Taja-KS wollen wir unbedingt noch einmal angehen. Dann allerdings bei stabilerem Wetter und ohne Winterraum (-> deutlich weniger Gepäck ).



JD